Glossar

Von A bis Z finden Sie hier eine Menge von Begriffen erklärt.
E

Einzelfallrecherche

Wenn eine kulturgutbewahrende Einrichtung (bspw. eine Bibliothek oder ein Museum) ein →Auskunftsersuchen oder eine →Restitutionsforderung zu einem Objekt in seinem Besitz von Dritten erhält (seitens mutmaßlicher rechtmäßiger Eigentümer bzw. deren Rechtsvertretern), steht eine Recherche zur Provenienz des infrage stehenden Objektes an. Üblicherweise wird dies im Wege der kurzfristigen Projektförderung vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert. (SL)

  • NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut

Erbenermittlung

Die Erbenermittlung schließt sich an die Provenienzforschung an: Wenn die Provenienz eines entzogenen Objekts erfolgreich recherchiert und ein rechtmäßiger Eigentümer identifiziert werden konnte, folgt die Suche nach dessen Nachfahren bzw. den Anspruchsberechtigten, damit eine "gerechte und faire Lösung" im Sinne der Washingtoner Prinzipien herbeigeführt werden kann. Die juristische Ermittlung der Erbberechtigten bzw. Rechtsnachfolge ist zu unterscheiden von der Genealogie, welche Familiengeschichte und -zweige rekonstruiert. Das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste bietet einen Einstieg mit Hinweisen und Links auf seiner Website an. Im Leitfaden Provenienzforschung findet sich eine ausführliche Darstellung der Methodik und relevanter Quellen. (SL)

  • NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut

Erschließung

Bezeichnet die Ordnung und Verzeichnung von Archivgut, damit es zu Recherchezwecken nutzbar wird. Die Tektonik eines Archivs gliedert die Archivalien, in der Regel wird hier das Provenienzprinzip angewandt: Sie werden nach ihrer Herkunft bzw. ihrem Entstehungszusammenhang sortiert. Demgegenüber steht das Pertinenzprinzip, das Archivalien nach Sachthemen gruppiert. Ein Findmittel, in dem alle Archivalien nach archivwissenschaftlichen Standards strukturiert verzeichnet sind, erleichtert als Ergebnis der Erschließung die differenzierte Vorrecherche nach relevantem Schriftgut. Für die Provenienzforschung ist die Erschließung von Archivbeständen unabdingbar, da sie eine effektive Recherche ermöglicht. Ein unerschlossenes Archivale kann nicht identifiziert, aufgefunden und genutzt werden. In Deutschland sind die öffentlichen Archive entsprechend dem föderalen System auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene organisiert. Die Tektonik der Landesarchive und kommunaler Archive unterscheidet sich aufgrund des Provenienzprinzips von Bundesland zu Bundesland insofern, als die politischen und staatlichen Strukturen und Behörden historisch unterschiedlich geartet waren. Mitunter ist für die Provenienzforschung relevantes historisches Archivgut noch nicht erschlossen, hier kann eine Projektförderung durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste eine sachthematische Erschließung ermöglichen. (SL)

  • NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut
  • Kriegsbedingt verlagertes Kulturgut
  • Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR
  • Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten

Stiftung Preußischer Kulturbesitz, Landesarchiv Baden-Würrtemburg (Hg.): Archivporal-D. Glossar, www.archivportal-d.de/info/glossar (letzter Zugriff 02.12.2020).

Erstcheck

Beschreibt eine besondere Projektart in der Projektförderung des Deutschen Zentrum Kulturgutverluste: Kleine kulturgutbewahrende Einrichtungen (bspw. Heimatmuseen und Stadtbibliotheken) verfügen häufig nicht über die notwendigen Mittel und Kapazitäten um die Provenienzforschung adäquat vorzubereiten - d.h. Vorarbeiten für einen Antrag auf Förderung beim Zentrum zu leisten. In solchen Fällen können regionale Verbände (bspw. die Bibliotheks- und Museumsverbände in den Bundesländern) einen Erstcheck für eine ausgewählte Anzahl ihrer assoziierten Einrichtungen beim Zentrum beantragen. Das Format dient dazu, den Bedarf an Provenienzforschung einzuschätzen, Verdachtsmomente auf NS-Raubgut zu eruieren und die Ausgangs- und Quellenlage zu sondieren. Das Ergebnis des Erstchecks ist eine individuelle Empfehlung zum weiteren Vorgehen, die anschließend Basis für einen Antrag auf →systematische Bestandsprüfung sein kann. Konzipiert wurde das Format des Erstchecks von der ehemaligen Arbeitsstelle für Provenienzforschung und dem Museumsverband des Landes Brandenburg e.V., daher ist es auch als "Brandenburger Modell" bekannt. Mittlerweile wurden Erstchecks in zahlreichen Bundesländern sowohl im Wege der kurzfristigen als auch der langfristigen Förderung durch das Zentrum durchgeführt. (SL)

  • NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut

Exlibris

Als Exlibris werden Besitzvermerke in Büchern bezeichnet, die in Form von Aufklebern oder Stempeln angebracht werden und ihren Eigentümer nennen. Sie sind damit ein wesentliches →Provenienzmerkmal von Büchern, das bei der →Autopsie von Interesse ist. Neben standardisierten, simplen Formen gibt es von Grafikern angefertigte Exlibris hoher künstlerischer Qualität, die selbst Gegenstand der Sammelleidenschaft sind. Die online zugängliche Verbunddatenbank Looted Cultural Assets dokumentiert neben sämtlichen Provenienzmerkmalen in Büchern auch Exlibris zum Zweck der kooperativen Provenienzforschung, sie ist ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer deutscher Bibliotheken. (SL)

  • NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut
  • Kriegsbedingt verlagertes Kulturgut
  • Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR
  • Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten