Glossar

Erklärungen zu Begriffen aus dem Bereich der Provenienzforschung und den vier Forschungskontexten von Proveana.

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M

Maji-Maji

Die deutsche Kolonisierung führte zur schrittweisen Entrechtung und Enteignung der Bevölkerung. Die Einführung einer „Kopfsteuer“ zwang große Teile der Bewohner zur Zwangsarbeit, zusätzlich zerstörte die Landnahme von Plantagen die Lebensgrundlage der Bevölkerung. Zugleich entstand um den religiösen Anführer Kinjitikile Ngwale die Maji-Maji Bewegung, in welcher sich der Widerstand gegen die deutsche Kolonialherrschaft sammelte. Das Wort Maji (Suaheli für Wasser) bezeichnete dabei die Wichtigkeit des Wassers für die Bewegung, da diesem eine spirituelle Bedeutung zugeschrieben wurde.

Im Juli 1905 kam es zu ersten Angriffen gegen verschiedene Repräsentanten des Kolonialsystems vor allem im Süden der Kolonie. Die in der Maji-Maji Bewegung verbündeten afrikanischen Bevölkerungsgruppen konnten gerade zu Beginn einige Erfolge gegen die militärischüberlegene Kolonialmacht erzielen. Mit dem Eintreffen der militärischen Verstärkung für das deutsche Militär im November 1905 kamen die größeren Kampfhandlungen bis Anfang 1906 zu einem Ende. Die in der Feldschlacht militärisch unterlegenen afrikanischen Verbündeten setzten nun ihren Widerstand mit einer Guerillataktik fort. Das deutsche Militär reagierte mit weiteren Vernichtungsmaßnahmen und wendete eine Strategie der „verbrannten Erde“ an, welche die Vernichtung der Lebensgrundlage der Bevölkerung zum Ziel hatte. Die Kampfhandlungen dauerten noch bis 1908 an. Nach heutigen Schätzungen hatte der Krieg den Tod von ca. 180.000 Menschen zur Folge.

  • Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten

Mark der deutschen Notenbank

Die Bezeichnung der DDR-Staatswährung lautete von 1948 bis 1964 „Deutsche Mark (der Deutschen Notenbank)“ DM (ost) bzw. DM (DDR), von 1964 bis 1968 „Mark der Deutschen Notenbank“ MDN, von 1968 (Gründung der Staatsbank der DDR) bis 1990 „Mark der DDR“ M. (MD)

  • Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR

MDN

  • Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR

MfK

  • Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR

MfS

  • Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR

Ministerium für Kultur

Gegründet im Januar 1954 unter Zusammenfassung von Funktionen, die bis dahin bei einzelnen Kommissionen gelegen hatten (u.a. bei der →Staatlichen Kommission für Kunstangelegenheiten). Die ersten Kulturminister waren Johannes R. Becher, Alexander Abusch und Hans Bentzien.

Aufgabe des Ministeriums für Kultur (MfK) war die Entwicklung einer sozialistischen Nationalkultur, indem u.a. die Entstehung von Kunstwerken des sozialistischen Realismus und die eigenschöpferische Tätigkeit der Werktätigen (Laienkunst, „Greif-zur-Feder-Kumpel“-Bewegung) gefördert wurde. Ihm oblag auch die Perspektivplanung und →Profilierung der DDR-Museen. Dem Ministerium für Kultur nachgeordnet war die von Heinz Arno Knorr geleitete Fachstelle für Heimatmuseen der DDR (Sitz bis 1963 Halle a.d. Saale, danach Berlin), aus der 1971 das Institut für Museumswesen hervorging. Auch die →Kunstschutzkommission war eine Abteilung des Ministeriums. Dem MfK entsprachen auf Bezirks- und Kreisverwaltungsebene die Abteilungen für Kunst, für Kunst und Kultur oder für Kunst und kulturelle Massenarbeit. Angegliedert an das Ministerium für Kultur war eine Rechtsstelle, deren Justitiare die Fragen der Museen und Sammlungen zu Rückgabefragen beantworteten. Archivalien des Ministeriums für Kultur finden sich heute im Bundesarchiv Berlin (BArch DR 1, insbesondere HA Rechtsstelle, HA Internationale Beziehungen, Bildende Kunst/Museen/Denkmalpflege u.a., BArch DR 136 Kommission des Ministeriums für Kultur zum Schutz des Kulturgutes, BArch DR 138 Büro für den Schutz des Kulturgutes der DDR beim Ministerium für Kultur). (MD)

  • Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR

Ministerium für Staatssicherheit

Am 8. Februar 1950 gegründet und nach sowjetischem Vorbild aufgebaut, hatte das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die Funktion einer staatlichen Überwachungs- und Geheimpolizei zur Abwehr jeglicher antikommunistischer Tätigkeit. Als solche verfolgte sie schwerwiegende, als Staatsverbrechen eingestufte Delikte, übernahm aber (besonders mit dem Aufstieg Erich Mielkes zum Minister für Staatssicherheit 1957) verstärkt auch Ermittlungsverfahren beim Verdacht auf Straftaten gegen die staatliche Ordnung. Das Ministerium für Staatssicherheit arbeitete mit der →Volkspolizei arbeitsteilig, unterlag als „Behörde eigener Verantwortung“ (O. Nuschke) jedoch keiner Kontrolle durch die parlamentsähnliche Volkskammer, wohingegen die Polizei dem Ministerium des Innern unterstand. (MD)

  • Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR

Mission

Der Begriff steht ursprünglich nur im Zusammenhang mit der christlichen Mission und bezeichnet den Aufruf zur Verbreitung des christlichen Glaubens. Die Mission erhält ihre Legitimation durch den biblischen Missionsauftrag, einer Passage des Neuen Testaments, in der Jesus die Jünger zur Verkündigung des Christentums aufruft. Eine systematische Mission wird u.a. auch vom Islam und Buddhismus betrieben. Eine systematische christliche Mission hat es seit dem 6. Jh. gegeben. Die Missionierung der katholischen und protestantischen Kirchen hat im Zusammenhang mit der Kolonisierung und dem Kolonialismus eine weltweite Ausbreitung erfahren. Ein wesentlicher Faktor für die Ausdehnung der katholischen Mission war ihre Bedeutung bei der Etablierung der Kolonialmacht in den spanischen und portugiesischen Kolonialreichen in den Amerikas, Asien und Afrika seit dem 15. Jahrhundert. Die oftmals von katholischen Orden durchgeführte Mission war teilweise an der gewaltsamen Zerstörung religiöser Traditionen beteiligt um ein staatlicherseits gefordertes christliches Religionsmonopol durchzusetzen. Eine protestantische Missionsbewegung entwickelte sich seit dem 17. Jahrhundert und gewann an Dynamik als Länder, die größtenteils protestantisch geprägt waren, wie z.B. die Niederlande, zu Kolonialmächten wurden. Im 18. Jahrhundert entstanden erste gezielte Missionsunternehmungen, wie die Dänisch-Hallesche Mission und die Mission der Herrnhuter Brüdergemeine. Gerade im 19. Jahrhundert lässt sich die Gründung einer Vielzahl von Missionsgesellschaften beobachten, die zu einer weltweiten Verbreitung der Mission beitrugen. Missionsbestrebungen trugen durch die Etablierung christlich normativer Werte und Strukturen häufig zur Zerstörung sozialer Strukturen vor Ort bei und waren somit auch ein wesentliches Element bei der Durchsetzung der Kolonialherrschaft. Allerdings lassen sich die Missionen nicht generell als Agenten des Kolonialismus bezeichnen. Einige Gesellschaften gingen sehr wohl auf Distanz zur Kolonialmacht und versuchten soziale Folgen des Kolonialismus zu bekämpfen. Missionsgesellschaften waren, wie andere Akteure in den deutschen Kolonien, am Sammeln ethnologischer Objekte beteiligt, indem sie etwa die Anfragen ethnologischer Sammlungen unterstützten, oder für eigene Museen sammelten. (JH)

  • Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten

Mühlenbeck

In Mühlenbeck bei Berlin bestand das bewachte Hauptlager („das weiße Lager“) der →Kunst und Antiquitäten GmbH (einer Tochterfirma der →Kommerzielle Koordinierung) für wertvollere Antiquitäten, Kunst- und Kunsthandwerksgüter, die für den Export bestimmt waren – im Gegensatz zu den über 100 kleineren Lagern des republikweit agierenden →Antikhandels Pirna, der ebenfalls als Tochterunternehmen für denselben Zweck republikweit Antiquitäten aufkaufte, also Waren beschaffte.

Aus der Liquidationsmasse der KoKo konnten durch finanzielle Zuwendungen des →Ministerium für Kultur (Kulturfonds der DDR, Akten siehe BArch DR 122) zwischen Februar und Mai 1990 zahlreiche Museen zur Vervollständigung ihrer Sammlungen in teils beträchtlichem Umfang Objekte ankaufen, deren private Alt-Eigentümer heute völlig unbekannt sind.

Für einen offensiven Umgang mit diesen klärungsbedürftigen Beständen tritt beispielhaft die Stiftung Schloss Friedenstein (Gotha) ein: Als erste Museumssammlung begann sie 2017 damit, ihre im Lager Mühlenbeck angekauften Stücke zu veröffentlichen, um einer Vorbesitzerklärung näher zu kommen siehe. (MD)

  • Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR

Museum Godeffroy

Von 1861 bis 1885 unterhielt das →Handelshaus Godeffroy mit dem „Museum Godeffroy“ in Hamburg ein eigenes Museum. Von Beginn an hatte Godeffroy Forschungsreisende fest angestellt, die für das Haus naturkundliche, ethnologische und anthropologische Objekte sammeln sollten. Auch die Kapitäne der eigenen Flotte waren angehalten, von ihren Fahrten entsprechende Sammlungen mitzubringen. Ab 1863 erhielt das Museum mit Johannes Schmeltz einen festen Kustos, dem später noch C.A. Pöhl als Assistent zur Seite gestellt wurde. Zusammen verschickten sie die angekommenen Objekte an anerkannte Wissenschaftler, Universitäten und Mitglieder von naturwissenschaftlichen Vereinen um sie beschreiben und wissenschaftlich dokumentieren zulassen. Anschließend wurden die Materialien in die Sammlung des Museums eingegliedert; der größere Teil wurde zum Verkauf angeboten. Dafür publizierte das Haus regelmäßig Kataloge, veröffentlichte eine Zeitschriftenreihe, und verlegte außerdem noch einzelne thematische Alben, Sonderausgaben, oder Führer durch das Museum. Zwar blieb das Haus 1879 zunächst vom Unternehmenskonkurs unberührt; dennoch wurde es in den nächsten Jahren aufgelöst. Verschiedene Teile der Sammlung wurden an mehrere europäische Museen verkauft, zum Beispiel an das Museum für Völkerkunde zu Leipzig, das Naturhistorische Museum Hamburg, das Völkerkundemuseum Hamburg oder das Ethnographische Museum in Leiden. Die Nachfolgeinstitutionen bewahren Teile dieser Sammlungen bis heute. Einige Stücke gingen auch an private Sammler. (SF)

  • Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten