Glossar

Von A bis Z finden Sie hier eine Menge von Begriffen erklärt.
P

Priorisierung

Da die Projektförderung durch das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste je Forschungsvorhaben auf maximal drei Jahre beschränkt ist, kann im Rahmen einer →systematischen Bestandsprüfung vielfach nicht der gesamte Umfang einer Sammlung oder eines Bestands auf Anhieb untersucht werden. In diesen Fällen werden ausgewählte Bestandsgruppen priorisiert, d.h. vorrangig untersucht. In einem Folgeprojekt können anschließend weitere Bestandsgruppen überprüft werden. Manchmal ist es auch innerhalb eines Forschungsvorhabens bzw. einer Bestandsgruppe notwendig, eine Priorisierung vorzunehmen: Diese kann nach Objektwertigkeit, Relevanz innerhalb des Sammlungszusammenhangs, Erfolgsaussichten hinsichtlich der Quellenlage, Dringlichkeit, Verdachtsgrad oder anderen Gesichtspunkten erfolgen. (SL)

  • NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut

Provenienzlücke

Als Provenienzlücke werden Zeiträume in der Objektgeschichte bezeichnet, in denen der Verbleib des betreffenden Objekts bzw. das Eigentum an ihm unbekannt sind. Weist ein Objekt eine Provenienzlücke zwischen 1933 und 1945 auf, sind Provenienzrecherchen dazu geboten. Auch nach erfolgter Provenienzforschung bleiben vielfach Provenienzlücken bestehen, da die Quellenlage keine oder keine eindeutige Klärung erlaubt (bspw. aufgrund verschollener oder zerstörter Überlieferung). Im Leitfaden zur Standardisierung von Provenienzangaben, erarbeitet vom Arbeitskreises Provenienzforschung e.V., findet sich eine Empfehlung zur Kennzeichnung von Provenienzlücken. (SL)

  • NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut

Arbeitskreises Provenienzforschung e.V.: Leitfaden zur Standardisierung von Provenienzangaben, Hamburg 2018, S. 11, S. 15f.

Provenienzmerkmal

Als Provenienzmerkmale werden Kennziffern, Aufkleber, Stempel, Etiketten, Plomben, Punzen, →Exlibris etc. bezeichnet, die sich am Objekt befinden und Auskunft über seine Provenienz geben. Im Rahmen einer →Autopsie wird gezielt nach Provenienzmerkmalen an den interessierenden Objekten gesucht und diese für die weiteren Provenienzrecherchen dokumentiert. Mitunter wurden Provenienzmerkmale in der Vergangenheit gezielt oder versehentlich entfernt, oder auch gefälscht - die Zusammenarbeit mit Restauratoren kann hier hilfreich sein. Bei Gemälden und Büchern ist die Untersuchung der Provenienzmerkmale besonders verbreitet. Andere Objektarten weisen deutlich seltener Provenienzmerkmale auf, beispielsweise Grafik und dreidimensionale Objekte - hier sind quellenbasierte Provenienzrecherchen sinnvoller. (SL)

Provenienzmerkmale in der Datenbank Proveana

  • NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut
  • Kriegsbedingt verlagertes Kulturgut
  • Kulturgutentziehungen in SBZ und DDR
  • Kultur- und Sammlungsgut aus kolonialen Kontexten

Deutsches Zentrum Kulturgutverluste: Leitfaden Provenienzforschung zur Identifizierung von Kulturgut, das während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft verfolgungsbedingt entzogen wurde, Magdeburg, 2019, S. 45-55.