Kreismuseum Osterburg
Grunddaten
Tätigkeitsbereich
Biographische Angaben
Zu Beginn der 1930er Jahre gab es im Landkreis Osterburg kein eigenes Museum, obwohl der Kreis Teil des "Altmärkischen Museums-Zweckverbands" war. In den 1930er Jahren wuchsen Bestrebungen, ein eigenes Museum zu gründen, was 1934 zu einer ersten Ausstellung führte, initiiert von Schuhmachermeister Wilhelm Ebert. Landrat Dr. Karl Keßler veröffentlichte 1935 eine Denkschrift zur Museumsgründung, die von der NSDAP und örtlichen Führern unterstützt wurde. Der Kreis trat aus dem Zweckverband aus und erhielt eine Sondergenehmigung für den Museumsaufbau.
1938 verfügte das Museum über 5 Ausstellungsräume im Obergeschoss der ehemaligen Stadtschule, sowie über Arbeitsräume im Erdgeschoss. Schwerpunkte der Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit bildeten die Ur- und Frühgeschichte und die Volkskunde des Kreisgebietes, sowie die Regionalgeschichte. 1939 wurde das Gebäude durch den Landkreis erworben.
Während des Krieges waren die Sammlungen des Museums offenbar größtenteils magaziniert. Alfred Keseberg bemühte sich jedoch weiterhin um ihre Erweiterung. Außerdem erstellte er bis Ende 1940 ein Verzeichnis jener etwa 350 archäologischen Objekte aus dem Osterburger Kreisgebiet, die sich in der Sammlung des Altmärkischen Museums Stendal befanden. Offenbar hoffte man darauf, diese Objekte zurück gewinnen oder als Leihgaben erhalten zu können.
Mit Sicherheit als Erwerbungen zwischen 1935 und Kriegsende 1945 anzusprechende Objekte finden sich fast ausschließlich in der archäologischen Sammlung (ca. 1.700 Objekte). Für evtl. bis Frühjahr 1945 erworbene Objekte aus anderen Sammlungsgruppen existiert keine eigene Dokumentation. Angesichts der nahezu vollständigen Fokussierung der Museumsarbeit auf die Archäologie ist aber davon auszugehen, dass der Sammlungsbestand an kulturgeschichtlichen Objekten gering war. Vereinzelte Informationen zu Erwerbungen solcher Objekte ab 1935/36 finden sich in der Sammlung von Zeitungsausschnitten und Dokumenten zur Museumsgeschichte, die allerdings noch nicht systematisch ausgewertet wurde, sowie – wie sich im Laufe des Erstchecks herausstellte - im Inventarbuch IIa. Auffällige bzw. größere Sammlungszugänge bis Kriegsende sind nicht bekannt. Nur ein Foto mit unklaren Angaben (entweder aus dem Antiquariat L. Sallman, Rehbrücke oder von Ernst Wollesen, Zeitz), 1937 erworben, kann als unklares Objekt aus dieser Zeitperiode angesprochen werden.
Nachdem der Museumsleiter Alfred Keseberg im Frühjahr 1945 Osterburg verlassen hatte, ruhte die Museumsarbeit. Als das Museum 1950 auch seinen letzten verbliebenen Raum an die im Gebäude eingerichtete Kreisberufsschule abgeben musste, wurden die Bestände auf dem Dachboden magaziniert. Erst 1953 wurde schließlich im Rahmen des „Nationalen Aufbauwerks“ das ehemalige Geschäftshaus der traditionsreichen, seit 1775 in Osterburg ansässigen Firma C. C. Bode als Museum eingerichtet, welches durch „Republikflucht“ der Eigentümer im Juli 1952 enteignet und in Volkseigentum überführt worden war. Hier wurde das Museum am 12. Juni 1954, dem „Tag des Lehrers“ mit zunächst fünf Ausstellungsräumen wieder eröffnet, 1956 kamen auch die übrigen bis dahin vermieteten Räumlichkeiten des Hauses dazu. Auch eine wissenschaftliche Bibliothek wurde eingerichtet.
Sammlungsverluste für die Zeit zwischen 1945 und 1954, als die Sammlung auf dem Dachboden der damaligen Kreisberufsschule magaziniert war, sind nicht im Einzelnen dokumentiert. Einem Aktenvermerk des Museumsleiters Fritz Ebruy im 1935 angelegten und durch ihn ab Januar 1955 fortgeführten Hauptbuchs II zufolge sollen die Panzerschränke des Museums unmittelbar nach Kriegsende von amerikanischen Truppen aufgebrochen worden und zur Kommandantur abtransportiert worden sein. Unter Bezugnahme auf eine Mitteilung des früheren Museumsleiters Alfred Keseberg a. d. J. 1954, der zufolge bei Kriegsende in einem der Panzerschränke eine „Bronzesammlung“ aufbewahrt wurde, führt er fort, dass diese offenbar seit 1945 verschollen sei.
Von den bis zum Beginn der 1960er Jahre inventarisierten Objekten stammte ein großer Teil aus Beschlagnahmungen im Zuge der Bodenreform oder „Republikflucht“: u. a. Firma Sorgenfrei, Druckerei Kirchstraße, Kaufmann Quesseleit, Herrenhaus Alemann, Herrenhaus Sandauerholz, Schloß Steinhöfel (Familie Massow). Viele unklare Erwerbungen mit Hinweis auf Vermögensentzug fanden als "Geschenk der LPG" Eingang in die Sammlung oder wurden von staatlichen Einrichtungen der DDR wie Volkspolizei und Rat der Stadt oder vom Antiquitätenhandel erworben. Objekte aus dem Besitz der im Museumsgebäude bis 1952 ansässigen Firma und Familie Bode wurden sogar bis Ende der 1990er Jahre inventarisiert. Zwischen 1966 und 1972 lassen sich anhand der Sammlungsdokumentation über 300 Verkäufe von Sammlungsgut an verschiedene DDR-Antiquariate nachweisen. Dies betraf v. a. Objekte, die aus der Bodenreform oder anderen Enteignungen nach 1945 stammten, darunter Möbel, Gemälde, Asiatica und andere gut „verwertbare“ Objektgruppen. Einige Objekte wurden nach 1990 restituiert.
1980 erhielt das Museum ein Konvolut, das unter der Türschwelle des ehemaligen Hauses der jüdischen Familie Less gefunden wurde. Es besteht u. a. aus Damenschnürstiefeln und Holzsohlen, datiert auf die Zeit um den Ersten Weltkrieg oder kurz danach. Der Fundort und die Umstände legen nahe, dass es sich um einen Depotfund, möglicherweise eine Genisa, handeln könnte. Außerdem wurden eine Notgeldmünze von 1921 und eine Medaille von 1922 entdeckt, die noch in Familienbesitz des Finders sind und dem Museum leihweise zur Verfügung gestellt wurden. Wenn sich der Fund der Familie Less zuordnen lässt, wäre durch die spätere Arisierung des Geschäfts ein mittelbarer Vermögensentzug gegeben. Andere belastbare Indizien für einen Vermögensentzug vor 1945 fanden sich nicht. Allerdings ist keinerlei originale Objektdokumentation für die nichtarchäologischen Funde überliefert.
1991 wurde das Museum wieder in die Trägerschaft des Kreises Osterburg übernommen und gelangte 1994 an den Landkreis Stendal. Nach umfangreichen Sanierungsarbeiten ab 10´991 und Neuerfassung der Bestände und Neubestimmung des Ausstellungsprofils fusionierte das Museum 2001 mit dem Prignitz-Museum Havelberg zu den "Museen des Landkreises Stendal"
Beziehungen
Personen/Körperschaften
- gefördert vonDer Museumsverband für die Provinz Sachsen und für Anhalt gab finanzielle Zuschüsse für die Neueinrichtung des Kreismuseums. (1936)Museumsverband für die Provinz Sachsen und für Anhalt31.05.2021
- Leitende PositionAlfred Keseberg war Mitgründer und erster Leiter des Kreisheimatmuseum Osterburg.22.10.2020