Museum Oschersleben
Grunddaten
Tätigkeitsbereich
Biographische Angaben
Das Oscherslebener Museum geht auf die Sammlungen des seit 1911 an der katholischen Schule in Oschersleben tätigen Lehrers Karl Kellner (1890-1965) zurück, welche er zur Vertiefung des Heimatkundeunterrichts angelegt hatte. 1923/24 oder 1925 erhielt er nach intensiven Bemühungen um eine öffentliche Präsentation zunächst einen Raum im damaligen Landratsamt Oschersleben zur Verfügung gestellt. Wenige Jahre später konnte Kellner die Oscherslebener Kaufmannsfamilie Lohse zur Stiftung eines ihnen gehörenden Gebäudes in der Halberstädter Straße 72 bewegen, welches 1928 Sitz des Museums wurde. Offenbar deshalb wird immer jenes Jahr als Gründungsjahr des Oscherslebener Museums benannt.
Bereits 1939 musste das Museum drei der insgesamt acht ihm im ehemals Lohse‘schen Haus zur Verfügung stehenden Räume für eine Posthilfsstelle räumen, später weitere drei Räume ausgebombten Familien überlassen. Das Sammlungsgut wurde teils in den verbleibenden zwei, nur durch die Wohnungen zugänglichen und wohl unverschlossenen Räumen „aufgestapelt“, teils im Bunker untergebracht, nachdem das Museum durch Brandbomben Schäden erlitten hatte. Etwa die Hälfte der Sammlung soll unter diesen Umständen zerstört oder entwendet worden sein.
Mit den "übrig gebliebenen Stücken" wurde 1946 der Wiederaufbau des Kreisheimatmuseums in Angriff genommen. Die Wiedereröffnung erfolgte schließlich am 7. Mai 1950. Einige Jahre später, 1959 und 1962, gab es bei Besichtigungen Kritik an der Museumsarbeit und dem Zustand der Exponate. Beanstandet wurden die fehlende Trennung von Schausammlung und Magazin, die veraltete Konzeption und der schlechte Zustand von zoologischen Präparaten, archäologischen Sammlungen und Kunstwerken. Im Mai 1963 erfolgte die – offenbar zunächst als vorläufig angesehene – Schließung des Museums. Dabei wurde das Museum zunächst im Zusammenhang mit einer geplanten Renovierung des Hauses geräumt. Nach mehreren Fehlversuchen, das Museum wieder zu eröffnen, wurde 1965 die endgültige Schließung beschlossen.
Seit Mitte der 1980er-Jahre gab es Bestrebungen zur Wiederbegründung des Museums, sowohl seitens einer Bürgerinitiative als auch mit Unterstützung der Abteilung Kultur des Rates des Kreises. Bereits seit 1986 wurde wieder aktiv gesammelt. 1989 eröffnete eine erste Ausstellung. 1990 konnte das frühere Museumsgebäude in der Halberstädter Straße wieder bezogen werden. Aufgrund der „prekären finanziellen Situation des Museumsverbundes“ wurden jedoch im Februar 2000 die Öffnungszeiten des Oscherslebener Museums auf zwei Tage pro Woche reduziert, bis es 2003 dann erneut geschlossen wurde. Im Januar 2005 wurde das Museum als städtische Einrichtung in damals vier Räumen der Stadtbibliothek wieder eröffnet.
Zwischen 1949 und 1954 wurden die archäologische Privatsammlung von Schloss Neindorf inventarisiert, das seit 1862 bis 1945 im Besitz der Adelsfamilie von Asseburg-Neindorf war. Es ist mit ziemlicher Sicherheit als Vermögensentzug infolge der Bodenreform einzustufen.
Für einige Objete gibt es Indizien, dass sie u.U. auf einen Vermögensentzug jüdischer Personen währen dder NS-Zeit hindeuten könnten, sie sind meist erst in den 1980er oder 1990er Jahren in den Sammlungsbestand gelangt. Dazu gehören u.a. ein Sack mit Aufdruck "Heinr. Chr. Salomon" von 1851, ein Taschenkalender mit Eintragungen jüdischer Feiertag von 1929 und Zeichnungen des Lehreres Karl Simon. Eine weitere Zeichnung stammt aus dem Nachlass des Malers Johann Heinrich Bürkel mit unklarer Provenienzkette. Zu den unklaren Erwerbungen nach Kriegsende 1945 gehören die 1953 durch den Bodendenkmalpfleger Kahmann sichergestellten und 1958 inventarisierten archäologischen Objekte aus der "Privatsammlung Scholz, Gröningen", sowie mehrere, jeweis als "Nachlass" betitelte Zugänge meist größerer Konvolute, für welche unbekannt ist unter welchen Umständen sie erworben wurden.
1953 wurden archäologische Objekte aus dem ehemaligen Rittergut Krottorf inventarisiert. Es ist mit ziehmlicher Sicherheit als Vermögensentzug infolge der Bodenreform einzustufen. Das Gut war 1849 durch die Familie Dettmar erworben worden und bis 1945 in deren Besitz.
1963 wurde die 1953 beschlagnahmte Sammlung des Malers Heinrich Gans mit 173 Arbeiten an das Kulturhistorische Museum Magdeburg übergeben. 1990 wurde sie nach Oscherleben zurückgegeben und an die Erbin Jutta Birnbaum in Oberhausen übereignet. 1995 überließ sie sie leihweise dem Bördekreis bzw. den Kreismuseum Oschersleben. Nach Kündigung des Leihvertrags durch das Börde-Museum Ummendorf schenkten die Erben Jutta Birnbaum dem Bördekreis 2006 bzw. 2007 insgesamt 16 Gemälde.
1980 wurde bei Bauarbeiten im früheren Herrenhaus Üplingen ein aus 32 Teilen bestehendes Silbergeschirr aus den 1920/30er Jahren entdeckt und nach Einlagerung im Tresor der Kreissparkasse 1992 dem Kreismuseum Oschersleben ohne Inventareintrag übergeben. Es ist mit ziehmlicher Sicherheit als Vermögensentzug infolge der Bodenreform einzustufen. Das Gut war seit 1764 zunächst im Besitz der Familie Wahnschaffe, die es dann im 19. Jh. bis 1945 als Pächter bewirtschafteten. Sie wurden 1945 ausgewiesen und flohen nach West-Deutschland.
2006 erfolgte die Aufteilung der Bestände zwischen der Bibliothek und dem Börde-Museum Burg Ummendorf. - Die für die Oscherslebener Stadtgeschichte relevanten Objekte verblieben vor Ort und befinden sich teils in der Ausstellung in der Stadtbibliothek, teils im dortigen Depot. Die übrigen Sammlungsbestände wurden durch das Museum Ummendorf übernommen.
Beziehungen
Personen/Körperschaften
- Verweist aufIm Zusammenhang mit der Übersiedlung des Auslebener Malers Heinrich Gans in die BRD gelangten Teile seines zurück gelassenen Atelierbestandes an das Museum Oschersleben.22.10.2020
- DirektorKellner leitete das Museum von ca. 1923 bis ca. 1963.22.10.2020
- Verweist auf1963 wurden Teile der Sammlung inkl. der Sammlung Gans aus dem Museum Oschersleben in das Kulturhistorische Museum Magdeburg überführt.1990/1991/1993 kam es Rückführungen von Objekten, u.a. Gemälden der Sammlung Gans.22.10.2020
- Verweist aufVon 1965 bis 1966 erfolgte die Überführung eines Großteils der noch in Oschersleben befindlichen Sammlungsbestand an das Städtisches Museum Halberstadt. Das geschah ohne Übergabeprotokoll. Nach der grundlegenden Neuinvenatrisierung der gesamten Sammlung Halberstadt ab 1977 waren die Oscherslebener Objekte nicht mehr identifizierbar. 1993-1996 kam es zu Rückführungen von einigen hundert Obejkten und Fundkartons.22.10.2020
Weitere Informationen und Quellen
Forschungsprojekte
Literatur & digitale Angebote
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