Ullmann, Leopold
Grunddaten
Tätigkeitsbereich
Familiäre Beziehungen
Biographische Angaben
Leopold Ullmann meldete sich mit 18 Jahren freiwillig bei der niederländischen Armee. Verpflichtung für 6 Dienstjahre ohne Handgeld. Freispruch vom Vorwurf der Desertion (Kriegsrat von Nordholland) am 18.08.1832.
Teilnahme an der Bekämpfung des „Belgischen Aufstands“ und daran anschliessende Kampfhandlungen.
Erste Auszeichnung, Medaille mit Gratifikation von 12 fl.
Ullmann wurde in die damalige Kolonie"Niederländisch-Indien" versetzt, wo er am 19.04.1841 ankam. 1847 nahm er Untersuchungen im Inland und an der Westküste von Borneo mit O. von Kessel und zeitweise mit H. von Gaffron (1846-1948) (Geheimmission) vor.
Am 28.12.1847 wurde er zum 2. Leutnant der Infanterie, am 05.12.1852 zum 1. Leutnant befördert.
Ernennung zum Ritter des Militaire Willemsorde van de 4de klasse neben 58 anderen „die zich bij de jongste expeditien in het Palembangsche (1851 / 1852) hebben onderscheiden“.
Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften in Amsterdam.
Im Rahmen einer Reoganisation wurde Ullmann am 13.10.1856 dem 13. Inf. Bat., am 01.11. dem 12. Inf. Bat. zugeteilt. Am 17.07.1857 erhielt er die Beförderung zum Hauptmann, am 16.12.1857 zum Kommandant Garnisonskompanie in Banjarmasin (Fort Tatas) und wurde zum militärischen Befehlshaber der Zuid- en Ooster-Afdeeling (Süd und Ost- Abteilung) von Borneo ernannt.
1859 ernannte ihn der Resident zum Mitglied der Subcommissie van onderwijs.
Nach 1857 entstanden "Unruhen" in der Region von Banjarmasin. Anfang Mai 1859 kam es zum Ausbruch eines gewaltsamen Aufstandes und der Ermordung eines Großteiles der europäischen Bevölkerung. Daraufhin wurden Truppen aus Java entsandt. Das Kommando übernahm Anfang Mai 1859 Oberst Andresen, später Leutnant Thieme. Ullmann wurde nach Martapura geschickt, wo er unter anderem das Militärkrankenhaus zu beaufsichtigen hatte.
Nach einer schweren Erkrankung kehrte Ullmann nach Banjarmasin zur Garnisonskompanie zurück und übergab das Kommando an den jüngeren Hauptmann Moltzer. Er ersuchte um ehrenhafte Entlassung als Militärkommandant der Süd- und Ostabteilung, die jedoch unbeantwortet blieb. Das Ehepaar geriet in gesundheitliche Schwierigkeiten. Dennoch verweigerte man ihnen eine Evakuierung nach Java. Ein weiteres Gesuch um Entlassung aus dem Militärdienst vom 26.09.1859 blieb wiederum unbeantwortet.
Im Januar 1860 übernahm Major Verspijck das Kommando, während Ullmann am 09.01.1860 in seine frühere Position [?] versetzt wurde. Er beteiligte sich an Kriegshandlungen, u.a. an der Strafexpedition (tuchtiging, „Züchtigung“), die als Rache für die demütigende Zerstörung des niederländischen Kriegsschiffs Onrust und die Tötung der gesamten Besatzung durch Surapati unternommen wurde.
Am 24.08.1860 wurde ihm Heimaturlaub für 2 Jahre bewilligt, wobei sich die Ausreise jedoch bis Dezember wegen Fehlens der Ablösung verzögerte. Leopold Ullmann verließ Borneo im Dezember 1860 in Richtung Java. Am 16. oder 18.03.1861 reist Ullmann mit deiner Ehefrau aus Batavia mit dem Frachtschiff Neckar ab. .
Leopold Ullmann beteiligte sich während seines Heimaturlaubs an der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und schenkte der Senckenberg Gesellschaft 3 menschliche Schädel sowie den Schädel eines Orang Utans. Er war ab 08.11.1862 Mitglied der Gesellschaft.
Schenkung von Leopold Ullmann an die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha. Schenkung von Karten an Herzog Ernst II in Gotha 1861.
Überweisung einer weiteren Schenkung am 04.09.1862, möglicherweise fand die Schenkung bereits 1861 statt. Das Konvolut enthält seltene und historisch bedeutsame Stücke, darunter eine Bugis-Zeremoniallanze mit Pfauenfedern vom Typus tumbak ganjur (Nr. 123), eine naturalistische hölzerne hampatong- bzw. pantak-Statue (Nr. 118) oder die persönlichen Waffen eines "Priesters aus Mekka" (eigentlich ein Hadschi = Mekkapilger, Kris Nr. 124 and Speer Nr. 125). Hinzukommen „Waffen der Dayakken auf der Insel Borneo“ (Nr- 1 – 27), „Maleidsche Waffen von Borneo“ (Nr. 28 – 38),der Schädel eines Krokodils (Nr. 41), drei Flaschen mit Tierpräparaten in Spiritus (Nr. 46 – 48) sowie vier menschliche Schädel. Die Schädel erhielt Leopold Ulmann vermutlich 1860. Sie stammen von Menschen aus Borneo (648, 649, 650, 651).
Nach 1862 erfolgten weitere Schenkungen von menschlichen Schädeln, tierischen Überresten und ethnografischen Objekten von Leopold Ullmann an die Sammlungen in Gotha und anderswo. Eine dieser Schenkungen erfolgte am 20. Juni 1867 an die Gothaer Sammlung: fünf weitere menschliche Schädel (Nr. 799 bis 803), elf Tierschädeln (Sumatra-Elefant, eines Nashorn, Tapi, eines Wildschwein, Hirscheber (babirusa), drei Tiger, schwarzer Panther, javanischer Leoparde, Serval) und vier Hörnerpaaren sowie mehrere ethnografische Objekte. Die Naturalien und das materielle Kulturerbe stammt aus verschiedenen Teilen Niederländisch-Ostindiens und vielleicht teilweise gar von ausserhalb der Kolonie. Ob sie von Leopold Ullmann direkt vor Ort gesammelt oder auf Java erworben wurden, lässt sich nicht feststellen.
Für seine Schenkungen erhielt Leopold Ullmann das Ritterkreuz 1. Klasse des Herzoglich Sächsisch-Ernestinischen Hausordens. Am 10.10.1862 wurde er Offizier des niederländisch-luxemburgischen Ordens der Eichenkrone (Orde van de Eikenkroon) und im Oktober 1862 wurde ihm das Fürstlich-Schwarzburgische Ehrenkreuz der 3. Klasse durch den Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen verliehen.
Schenkung oder Verkauf von 239 Objekten in 4 Gruppen an die grossherzogliche Sammlung in Karlsruhe (u.a. Malayische Schriften, Sammlung von japanischen und chinesischen Kunstwerken, Waffen aus Borneo, Schädel von Tieren und Menschen). Sendung einer Sammlung aus Batavia an den Grossherzog von Baden in Karlsruhe 1865. Beim Empfang im Februar 1866 enthielt eine der Kisten neben anderen Objekten auch 6 Menschenschädel.
Am 27. Oktober [?] 1862 kehrte das Ehepaar Ullmann in die damalige Kolonie Niederländisch-Ostindien mit dem Schiff Aeolus zurück und erreichte Batavia am 08.02.1863 [?]. Vermutlich bis zur Rückkehr nach Europa war das Paar in Meester Cornelis (Militärschule in Batavia) wohnhaft. Zum 11., ab 26.05.1864 wurde Ullmann dem 12. und ab 22.10.18865 dem 9. Infanteriebataillon in Südostborneo zugeteilt, zeitweise in „nicht-aktivem“ Status. Am 26. Juli 1867 ist er mit Anspruch auf eine Rente ehrenhaft entlassen worden, jedoch im August 1867 wieder in den aktiven Dienst versetzt.
Anfang August 1867 kehrte Ullmann mit seiner Ehefrau nach Europa zurück und wurde am 03.09.1867 pensioniert. Am 11.11.1867 erreichten sie die Niederlande.
Er leistete weiterhin Beiträge zu wissenschaftlichen Sammlungen.
Weitere Auszeichnungen erhielt Leopold Ullmann vom Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen und vom Grossherzog von Baden: Verleihung des Komturkreuzes 2. Klasse in Gotha am 29.01.1869, das Ehrenkreuz für wichtige Kriegsoperationen Borneo 1859-1863 am 16.09.1870.
Ullmann schenkte Schenkungen dem Großherzog von Baden eine Asiatika-Sammlung mit bedeutenden japanischen und chinesischen Kunstwerken.
Beziehungen
Personen/Körperschaften
- BekanntschaftLeopold Ullmann und Hendrik Nicolaas Roepius van Zevenhuizen waren miteinander bekannt. Leopold Ullmann vermittelte die Schenkung von Hendrik Nicolaas Roepius van Zevenhuizen an die Gothaer Sammlung (Stiftung Schloss Friedenstein Gotha)26.08.2024
Ereignisse
- TeilnehmerLeopold Ullmann nahm am Banjar-Krieg teil.26.08.2022
Weitere Informationen und Quellen
Forschungsprojekte
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