„Forschungsreisen“ als kolonialer Erwerbungskontext von ethnografischen Objekten, human remains, Fotografien und Malerei – Die „Forschungsreise der Deutschen Kolonialgesellschaft nach Kamerun“ (1911-1913, Thorbecke)
Beschreibung
In Kooperation mit dem Rautenstrauch-Joest-Museum | Kulturen der Welt Köln, den Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim und der Université de Dschang (Kamerun), seit 2024/25 auch der Université de Ngaoundéré, diente das Projekt der wissenschaftlichen Untersuchung der Beschaffungs- und Aneignungskontexte der sogenannten „Thorbecke-Sammlung“ (1911–1913), deren materielle und immaterielle Bestände sowie Human/Ancestral Remains heute über mehrere deutsche Institutionen verteilt sind. Ausgangspunkt war die fehlende kontextualisierende Bearbeitung zentraler Teilbestände und das Fehlen einer systematischen Zusammenführung der vorhandenen Dokumentationsschichten; dadurch wurde der historische Kontext der Erwerbung und des Transfers bisher nicht zuverlässig rekonstruiert.
Ziel war die quellengestützte Rekonstruktion der historischen Erwerbungsbedingungen einer Forschungsreise unter kolonialen Bedingungen und deren multiperspektivische Bewertung. Dies umfasste insbesondere:
-die Analyse der kolonialen, administrativen und militärischen Rahmenbedingungen der Expedition,
-die Rekonstruktion der Objekt- und Human-Remains-Biografien einschließlich ihrer Transfers und heutigen Aufbewahrungsorte,
-die Einbindung lokaler Wissensbestände und Erinnerungskulturen aus Kamerun zur Ergänzung und Überprüfung europäischer Archivquellen,
-die methodische Zusammenführung heterogener Bestandstypen (Objekte, Fotografien, Aquarelle, Phonogramme, schriftliche Unterlagen).
Zur Zielerreichung wurden in Museen und Archiven umfangreiche Recherchen durchgeführt, koloniale Verwaltungsakten ausgewertet und empirische Untersuchungen in Kamerun vorgenommen. Lehrforschungsformate, Interviews und gemeinsame Sichtungen vor Ort ermöglichten die Integration lokaler Perspektiven, die in bisherigen Dokumentationen fehlten. Die Kooperation mit den Universitäten Ngaoundéré und Dschang in Kamerun gewährleistete eine regional verankerte Überprüfung der Quellenlage.
Das Projekt schaffte eine belastbare wissenschaftliche Grundlage für zukünftige Provenienz- und Restitutionsprozesse. Die kolonialen Erwerbungs- und Machtkontexte der „Forschungsreise“ und damit auch der „Sammlung“ konnten größtenteils detailliert rekonstruiert werden; die verstreuten Bestände wurden erstmals zusammengeführt und in ihrer historischen Genese nachvollziehbar dokumentiert. Die Analyse verdeutlichte die Rolle von Gewalt, administrativen Strukturen, diplomatischen Austauschformen und kolonialen Interventionen bei der Aneignung. Die empirische Arbeit in Kamerun führte zu wesentlichen Erkenntnissen über soziale, rituelle und lokale Bedeutungen der Objekte und stärkte damit die Voraussetzungen für künftige Abstimmungs- und Entscheidungsprozesse zwischen deutschen und kamerunischen Partnerinstitutionen.
© Abteilung Globalgeschichte am Institut für Geschichtswissenschaften, Philosophische Fakultät, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Grunddaten
Forschungsbericht und Materialien
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