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Projekt

Herbert Ginsbergs verschollene Ostasiatica Sammlung - eine Spurensuche zwischen 1942 und heute

Projekt-ID
P-LA03-II2019
Permanent URL
http://www.proveana.de/de/link/pro10000326
Forschungskontext
  • NS-verfolgungsbedingt entzogenes Kulturgut

Beschreibung

Im August 1942 wurde eine der umfangreichsten und wertvollsten privaten Berliner Ostasiatica-Sammlungen durch Nationalsozialisten in den besetzten Niederlanden beschlagnahmt - die des jüdischen Bankiers Herbert Ginsberg.
Nach Ginsbergs eigener Aussage, handelte es sich um eine „collection which numbered eight hundred and thirty-six pieces in 1923 and was built up in nearly fifty years“.[1] Die Stücke kamen vornehmlich aus China, Japan und Indien. Es waren Bronzen, Skulpturen aus Holz, Stein und Ton, Porzellan-, Fayence- und Steingutgegenstände, Japanische Holzschnitte, Malereien aus China und Japan, Netsuke und Okimono aus unterschiedlichen Materialien, Masken, Lackarbeiten, Gewänder, Stoffe und Teppiche.[2]
Von Ginsbergs ursprünglicher Sammlung waren nach dem Krieg 103 Objekte auf einem Dachboden in Velp bei Arnhem wieder aufgetaucht, was sich aus einem Dokument seines Wiedergutmachungsantrags von 1957 ergibt.[3] Damit fehlt zum Verbleib von 733 Kunstwerken jegliche Spur.
Ziel des Projektes ist eine umfassende Recherche zum ursprünglichen Profil der Sammlung, ihrem Umfang und den Wegen, die sie bis heute genommen hat.
Ginsberg war ein anerkannter Ostasiatica-Sammler, wie Max J. Friedländer 1939 in einem Brief bestätigt: „Dear Mr. Ginsberg, with the greatest pleasure I confirm from my own experience of many years that you were successful active as one of the few serious collectors of Eastern Art […]“.[4] Er gehörte von 1924 bis zu seiner Flucht zur Expertenkommission der Ostasiatischen Kunstabteilung der Berliner Museen und war 1926 Gründungsmitglied und seitdem Schatzmeister der Gesellschaft für Ostasiatische Kunst. Die Bedeutung der Sammlung zeigt sich darin, dass für zahlreiche nationale und internationale Ausstellungen Leihgaben aus ihr zur Verfügung gestellt wurden.
Aufgrund der zunehmenden Verfolgung der Juden in Berlin flüchtete Herbert Ginsberg mit seiner Frau Olga Ginsberg, geborene Lachmann, und seiner Sammlung am 07. Juli 1938 in die Niederlande. Hier wurden die Objekte zunächst als Leihgabe im Gemeente Museum in Den Haag untergebracht. Als das Deutsche Reich die Niederlande am 10. Mai 1940 besetzte und begann Kunstwerke zu beschlagnahmen, waren sie dort nicht mehr in Sicherheit. Der damalige Direktor des Museums riet aus Sorge um eine Beschlagnahmung dem Ehepaar Ginsberg, sie dem Bankier Johan Christiaan van Dijk anzuvertrauen, der in Rotterdam lebte und mit dem Direktor des Gemeente Museums befreundet war. Das Ehepaar Ginsberg erhielt im August 1942 einen Bescheid zum Abtransport ins Amsterdamer Ghetto, dem es durch Untertauchen entkam. Nach der Befreiung 1945 erfuhr Herbert Ginsberg laut eigener Aussage, dass die Sammlung bei einer Durchsuchung in Van Dijks Kantor von den Nationalsozialisten beschlagnahmt worden war.[5]
Es wird eine enge Zusammenarbeit mit dem seit Januar 2019 vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste finanzierten Forschungsprojekt zur Rekonstruktion der Adolf von Menzel Sammlung Ludwig Ginsbergs erfolgen. Im Rahmen dieses Projektes konnten bereits Biographien von Mitgliedern der Familie Ginsberg, sowie die Geschichte der später ,,arisierten‘‘ Privatbank Gebrüder Ginsberg, die Herbert Ginsberg mit seinen Cousins Ludwig und Max Ginsberg bis zu seiner Flucht 1938 leitete, eruiert werden.
Die Ergebnisse werden als open access-Publikation sowie als Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin präsentiert. Die Ausstellung wird von dem Künstler und Nachfahren der Familie Ginsberg, Dodi Reifenberg, initiiert. Außerdem werden die Recherchearbeiten durch die Dokumentarfilmerin Julia Albrecht begleitet.

[1] Katalog, 1951, LBI NY, AR 1028/MF 818, box 4, folder 2.
[2] Undatierter Katalog, in: DigiBaeck, LBI NY, AR 1028/MF 818, Box 7, folder 4, S. 690-921.
[3] Eidesstattliche Erklärung, in: LAB, B Rep. 025-02 Nr. 233/57, Bl. 5.
[4] Brief von Friedländer an Ginsberg, 1939, in: LAB, B Rep. 025-02 Nr. 233/57, Bl. 22.
[5] Eidesstattliche Erklärung, in: LAB, B Rep. 025-02 Nr. 233/57, Bl. 5.


© Projekt Herbert Ginsbergs verschollene Ostasiatika Sammlung – eine Spurensuche zwischen 1942 und heute, Dezember 2019

Grunddaten

Projektkategorie
Sammlungsrekonstruktion
Beschreibung Bestand
Privatsammlung
Zuwendungsempfänger
Dodi Reifenberg
(Privatperson)
Ansprechpartner
Laura-Marijke Hecker (MA)
Provenienzforschung
0157 38307639
laura.hecker@posteo.de
Dr. Christine Howald
TEAA - Tracing East Asian Art - Technische Universität Berlin, Provenienzforschung Asiatische Sammlungen Zentralarchiv - Staatliche Museen zu Berlin
+49 30 8301 382
c.howald@smb.spk-berlin.de
Bundesland
Berlin
Projektlaufzeit
15.10.2019 - 15.10.2026
Ortsbezug
Ort
Berlin
Getty
,
GeoNames
Standort
Deutschland, Berlin
Getty
,
GeoNames

Forschungsbericht und Materialien

Der Forschungsbericht stammt vom genannten Verfasser bzw. der genannten Verfasserin. Eine inhaltliche Überprüfung im Sinne einer Provenienzforschung und/oder eine redaktionelle Bearbeitung der Inhalte finden seitens des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste nicht statt. Für die Inhalte des Forschungsberichts ist der genannte Zuwendungsempfänger bzw. die genannte Zuwendungsempfängerin des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste verantwortlich. 

Ein Forschungsbericht stellt eine Forschungsleistung mit dem zum Zeitpunkt des jeweiligen Projektendes bestehenden Wissensstandes dar. Aufgrund des durch die jeweilige Projektförderung begrenzten Forschungsgegenstandes kann ein Forschungsbericht keinen Anspruch auf Vollständigkeit haben. Qualitative Unterschiede der Forschungsberichte sind aufgrund der Heterogenität der jeweiligen Ausgangslage und der Projektansätze nicht zu vermeiden. Seit dem Zeitpunkt des Verfassens eines Forschungsberichtes können sich Sachstände durch veränderte und aktualisierte Grundlagen (z.B. durch neue und/oder nun zugängliche Quellen) verändert haben.

Bei Feststellung veralteter oder fehlerhafter Informationen/Inhalte innerhalb der Forschungsberichte bittet das Deutsche Zentrum Kulturgutverluste freundlich, hierauf aufmerksam zu machen. Unsere aktuellen Kontaktinformationen und ein Kontaktformular finden Sie HIER.

Dossier Herbert Ginsberg

Verfasserin: Laura-Marijke Hecker, 2021.
Download

Inhaltliche Bezüge

Personen/Körperschaften

  • Verweist auf
    Ginsberg, Herbert
  • Verweist auf
    Ginsberg, Olga
  • Verweist auf
    Ginsberg, Isidor
  • Verweist auf
    Ginsberg, Anna
  • Verweist auf
    Ginsberg, Edgard Maximilian
  • Verweist auf
    Lachmann, Georg
  • Verweist auf
    Bank Gebrüder Ginsberg
  • Verweist auf
    Ginsberg, Max
  • Verweist auf
    Ginsberg, Ludwig
  • Verweist auf
    Museum für Ostasiatische Kunst (Berlin)
  • Verweist auf
    Deutsche Gesellschaft für Ostasiatische Kunst
  • Verweist auf
    Museum für Asiatische Kunst (Berlin)
  • Verweist auf
    Museum Rietberg

Sammlungen

  • Verweist auf
    Ostasiatica Sammlung Herbert Ginsberg
  • Verweist auf
    Sammlung der Familie Herbert Ginsberg

Schlagworte

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  • Sammler/Sammlerin
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