Restaurator*innen im „Dritten Reich“. Historische Überlieferungen zu restauratorischen Maßnahmen als Quelle für die Provenienzforschung
Beschreibung
Die Verwicklung von Restaurator*innen in die Kunst- und Kulturguttransfers während des Nationalsozialismus ist bislang nur unzureichend untersucht. Obwohl sie in museale, behördliche und kunsthändlerische Strukturen eingebunden waren und vielfach an Objekten arbeiteten, deren Herkunft heute Gegenstand intensiver Provenienzforschung ist, blieb ihre Tätigkeit im Kontext der NS-Zeit weitgehend randständig betrachtet. Zugleich wurden kunsttechnologische Untersuchungen und restauratorische Dokumentationen bisher nur selten systematisch als Quellen für die Provenienzforschung ausgewertet.
Das Projekt widmet sich der historischen Einordnung ausgewählter Restaurator*innen, die in der NS-Zeit sowie unmittelbar davor und danach tätig waren. Im Zentrum stehen unter anderem Berta Hofer-Fritsch, Otto Klein, Eduard Kneisel und Wilhelm Uhlworm. Untersucht werden ihre institutionellen Anbindungen, beruflichen Netzwerke und Tätigkeitsfelder ebenso wie ihre konkrete Einbindung in Sammlungsbewegungen, Sicherstellungen, Transfers oder Restaurierungsaufträge im Umfeld staatlicher und parteinaher Stellen.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Erschließung und Auswertung der von Restaurator*innen angelegten Dokumentationen. Zustandsprotokolle, technische Untersuchungsberichte, Korrespondenzen, Fotografien und weitere Unterlagen stellen häufig dichte und präzise Quellen dar, die Hinweise auf frühere Eigentumsverhältnisse, Standorte, Eingriffe oder Wertzuschreibungen enthalten. Ihre systematische Berücksichtigung eröffnet zusätzliche Perspektiven für die Rekonstruktion von Objektbiografien – insbesondere bei Werken, deren Provenienz derzeit im Rahmen bundesweiter Förderlinien erforscht wird.
Durch die Verbindung von Restaurierungsgeschichte, Kunsttechnologie und Provenienzforschung trägt das Projekt zu einer differenzierteren Betrachtung der Akteur*innen, Praktiken und Wissensbestände bei, die an Kunst- und Kulturguttransfers während der NS-Zeit beteiligt waren. Restauratorische Dokumentationen werden dabei nicht allein als technische Unterlagen, sondern als historische Quellen verstanden, die für die Rekonstruktion von Objektgeschichten von zentraler Bedeutung sein können.
Zentrales Ziel dieser interdisziplinär angelegten Grundlagenforschung ist die Erstellung eines Verzeichnisses von in der NS-Zeit tätigen Restaurator*innen (Bereich Malerei) mit Angaben zu ihren Kund*innen, Netzwerken, ihren Verwicklungen in Kunst- und Kulturguttransfer und zu ihren ausgeführten Restaurierungsarbeiten. Kunsttechnologische bzw. restaurierungsspezifische Merkmale sollen an ausgewählten Fallbeispielen benannt und ihre Erfassung und Dokumentation für die Provenienzforschung über eine Publikation nutzbar gemacht werden. Ein Workshop und eine Tagung sollen diesen Prozess begleiten und zu einem interdisziplinären fachlichen Austausch sowie zu weiterer öffentlicher Sichtbarkeit beitragen.
© Technische Universität Berlin. Institut für Kunstwissenschaft und Historische Urbanistik
Grunddaten
Forschungsbericht und Materialien
Proveana liegt aktuell kein Forschungsbericht vor. Das kann unterschiedliche Ursachen haben. Bei Fragen erreichen Sie uns unter proveana@kulturgutverluste.de