Verknüpfte Geschichten. Koloniale Bestände aus Togo und Ghana in den Berliner Museen
Beschreibung
Erstmals erforschen das Museum für Naturkunde Berlin, der Botanische Garten und das Botanische Museum sowie das Ethnologische Museum und Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin (SPK) gemeinsam die Aneignungskontexte von Sammlungen aus der deutschen Kolonie Togo. In Kooperation mit Partnern an den Archives Nationales du Togo und der University of Ghana sowie im Austausch mit traditionellen Wissensträger:innen vor Ort werden botanische, zoologische und kulturhistorische Sammlungen aus diesem kolonialen Kontext museums- und fachübergreifend ausgewertet. Ziel ist es darüber hinaus, modellhaft Methoden für transdisziplinäre Provenienzforschung zu entwickeln.
Die Zusammenarbeit der Berliner Museen beruht historisch auf dem Bundesratsbeschluss von 1889, der die drei Institutionen zu zentralen Sammelstellen für Einsendungen aus den deutschen Kolonien werden ließ. Die Museen profitierten enorm von dieser politischen Bevorzugung, die ihre Bestände deutlich anwachsen ließ. Da oftmals dieselben Kolonialakteure die alle drei Museen belieferten, sind diese auch durch eine gemeinsame Aneignungsgeschichte miteinander verbunden.
Im Mittelpunkt der exemplarischen Untersuchung stehen die Kolonialstationen Bismarckburg und Misahöhe. Erforscht wird ihre Bedeutung als Knotenpunkte kolonialer Gewalt, wirtschaftlicher Ausbeutung und wissenschaftlicher Sammeltätigkeit mit Fokus auf den Aneignungskontexten und Kolonialakteuren, die für die Translokation von Objekten in alle drei Berliner Sammlungen verantwortlich sind. Gefragt wird dabei auch nach dem oft unsichtbar gemachten Beitrag lokaler Wissensträger:innen und den Erfahrungen der kolonialisierten Bevölkerung sowie nach der Relevanz kolonialer Museumssammlungen in Togo und Ghana heute.
Indem die Museen ihre Archive und Bestände zusammenführen und gemeinsam mit Partnern:innen in Togo und Ghana vergleichend untersuchen, entstehen neue Perspektiven auf koloniale Aneignungs-, Klassifikations- und Verwertungspraktiken. Ziel ist es, mündliche Überlieferungen, Erinnerungen und lokale Perspektiven aus Togo und Ghana in die Forschung einzubeziehen und damit Erzählungen Raum zu geben, die in den kolonialen Archiven keinen Platz fanden.
Das Verbundprojekt wird in Kooperation mit Prof. Dr. Kodzo Gavua, University of Ghana, und Dr. Messan Tossa, Archives Nationales du Togo umgesetzt.
© Museum für Naturkunde Berlin
Grunddaten
Forschungsbericht und Materialien
Proveana liegt aktuell kein Forschungsbericht vor. Das kann unterschiedliche Ursachen haben. Bei Fragen erreichen Sie uns unter proveana@kulturgutverluste.de