Sammlung Franz und Lisa Boner
Basic Information
Das Ehepaar Franz und Lisa Boner besaßen eine private Kunstsammlung, die unter anderem einen Zyklus von sieben dekorativen Gemälden von dem Künstler Matthäus Terwesten enthielt. Die Sammlung befand sich zunächst in der Villa Boner in Berlin, bevor Witwe Lisa Boner nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1941 die Kunstsammlung und Einrichtung in ein Landhaus in Bergen im Landkreis Traunstein verlagerte. (Quelle: Das Bomann-Museum Celle und seine Sammlungen, S. 95-98)
Franz und Lisa Boner begannen bereits in Bremen mit dem Aufbau einer Kunstsammlung. Franz Boner hatte als Vorsitzender des Bremer Kunstvereins Kontakte zu Künstlern. Die Boners schätzten den Maler Rudolf Tewes und ließen sich gern von ihm malen. Franz Boner sammelte mit Vorliebe Gemälde des Expressionismus, während seine Frau Lisa Maler wie Delacroix, Courbet und Renoir bevorzugte. Zur Sammlung gehörten unter anderen Gemälde von Matthäus Terwesten, Karl Schmidt-Rottluff, Karl Hofer, Richard Seewald und der Künstlerin Paula Modersohn/Becker, Max Liebermann, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Skulpturen von Maillol und eine eine wertvolle Bibliothek. (Quelle: Kienlechner 2024)
Collection history
Franz Boner schenkte der Kunsthalle Bremen ein Gemälde des Künstlers Karl Schmidt-Rottluff. Das Bild wurde 1923 wieder aus den Ausstellungsräumen entfernt, 1949 gegen ein anderes Bild getauscht und landete in der Sammlung Lothar Buchheim.
Im Jahr 1930 wurde Franz Boner gebeten, fünf seiner Delacroix in Paris für eine Ausstellung im Louvre zur Verfügung zu stellen. Im selben Jahr bat man ihn in Berlin, drei seiner Courbets für eine Ausstellung in der Galerie Wertheim einzureichen. Er kam auch dieser Bitte nach. Der aus Paris eigens dafür angereiste Courbet Experte Charles Leger
erklärte zwei der drei von Boner zur Verfügung gestellten Werke als Fälschungen, ließ diese umgehend am Abend vor der Eröffnung abhängen und wieder zu Boner nach Hause schicken. Dem Experten fielen mindestens mehr als ein Dutzend weiterer Werke zum Opfer und er untermauerte seinen Berliner Auftritt mit einem ausführlichen Artikel in der renommierten Zeitschrift „L’amour de l’art“. Alle von ihm als Fälschungen deklarierten Werke wurden abgebildet, darunter auch der Boner Courbet „Badende Mädchen“. Der Sammlung haftete daraufhin ein Makel an, mit der Folge, dass nach dem zweiten Weltkrieg über die Sammlung Boner in der einschlägigen Literatur nicht mehr berichtet wurde.
Im Erbgang ging die Sammlung an die Ehefrau Lisa Boner. Das Ehepaar besaß in Bergen im Landkreis Traunstein ein Landhaus. Nach dem Tod ihres Mannes im Jahr 1941 zog Lisa Boner dorthin und verlagerte auch die Einrichtung und Kunstsammlung aus der zuvor vom Ehepaar bewohnten Villa in Berlin Südende.
Bei einer Auktion von Hans W. Lange im April 1943 wurde ein Gemäldezyklus aus der Sammlung angeboten, jedoch nicht verkauft. Im selben Jahr wurde er für die Sammlung des Bomann-Museums im Nachverkauf erworben. Lisa Boner war zum Zeitpunkt der Veräußerung nach wie vor vermögend, sodass für sie trotz einer zurecht befürchteten politischen Verfolgung kein Zwang zum Verkauf der Gemälde bestand, um sich Handlungsfreiheit zu schaffen. Die Proveninz gilt somit als unbedenklich.
Lisa Boner wurde ab 30.Dezember 1943 in Baden-Baden, wo sie sich aufgehalten hatte, denunziert und strafrechtlich verfolgt. Ihre Kunstsammlung, die aus etwa 40 Gemälden bestand, darunter 8 Delacroix, 3 Courbets, 2 Renoirs, Liebermann, Kirchner, Expressionisten Heckel, Paula Modersohn-Becker, Skulpturen von Maillol, eine wertvolle Bibliothek um nur einiges zu nennen, konnte sie mit Hilfe ihrer Tochter Susanne-Marie und dem portugiesischen Diplomaten Pedro Tovar de Lemos von Berlin nach Winterthur in die Villa Hahnloser noch 1944 heimlich evakuieren.
Die in Berlin eingelagerten Möbel und weniger wertvolle Kunstgegenstände wurden 1944 ebenfalls mit Hilfe ihrer Tochter heimlich, nicht als ihr Besitz, mit den letzten Wagons, die noch fuhren von Berlin in ihr Landhaus Aicherhof, Bergen bei Traunstein gebracht.
Die Sammlung kehrte 1948/1949 aus der Schweiz zurück auf den Aicherhof. Ein Teil der Bilder, vornehmlich die Expressionisten, war zuvor in der Schweiz verkauft worden.
Um 1954 wurden die Delacroixs, der Utrillo und zwei Renoirs verkauft.
Network
Person/Corporate bodies
- Sammlungsbesitzer2024
- Sammlungsbesitzer
- Berater ist(Julius Meier-Graefe war ein Berater beim Anlegen der Sammlung.)2024
- Berater ist(Gustav Pauli gehörte zu den Experten, die Franz Boner in Berlin beim Aufbau seiner Sammlung berieten.)2024
- Berater ist(August Liebmann Mayer gehörte zu den Experten, die Franz Boner in Berlin beim Aufbau seiner Sammlung berieten.)2024
References
Research projects
Literatur & digital content
- Wird angeführt in