Provenienzrecherche zu den vor 1945 entstandenen und seit der Zeit des Nationalsozialismus erworbenen Druckgrafiken der städtischen Sammlung
Description
Nach einem ersten, vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste geförderten Forschungsprojekt zu den Gemälden und Skulpturen der städtischen Sammlung sowie der Stiftung Wilhelm Hack (2016–2019) setzt das Wilhelm-Hack-Museum seine Provenienzforschung nun an den Druckgrafiken der städtischen Sammlung Ludwigshafen fort. Seit Januar 2026 untersucht es systematisch die Provenienzen der vor 1945 entstandenen und seit der Zeit des Nationalsozialismus erworbenen Druckgrafiken dieses Bestands. Das zunächst auf ein Jahr angelegte Projekt wird vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste gefördert.
Im Jahr 1979 eröffnete das Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen und machte seine heute etwa 10.000 Arbeiten umfassende Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich. Einen wichtigen Pfeiler dieser Sammlung bildet die ab Beginn des 20. Jahrhunderts aufgebaute städtische Kunstsammlung, die neben Gemälden, Skulpturen und Zeichnungen heute etwa 2.300 Druckgrafiken verzeichnet. In den Zwischenkriegsjahren lag der Schwerpunkt der Erwerbungen auf süddeutscher Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts, bevor sich das Interesse ab Mitte der 1950er Jahre auf den Expressionismus verlagerte. Erworben wurden die vor 1945 entstandenen Blätter vornehmlich in den 1940er bis 1960er Jahren auf dem deutschen Kunstmarkt oder kamen durch Schenkungen ans Haus.
Konkrete Verdachtsmomente liegen im Bereich der Druckgrafik zu Projektbeginn nicht vor. Allerdings können hier, anders als bei den Gemälden und Skulpturen, kaum auf Informationen zu Vorbesitzern zurückgegriffen werden. Die Ankaufsunterlagen der druckgrafischen Arbeiten verzeichnen lediglich den Verkäufer (zumeist also Galerie oder Auktionshaus). Unter diesen Händlern finden sich jedoch einige am NS-Kulturgutraub beteiligte Galerien (u.a. Galerie Matthiesen, Berlin und Kunstkabinett Klihm, München). Angesichts bereits identifizierter und auf Lost-Art gelisteter Verdachtsfälle hinsichtlich verfolgungsbedingter Vermögensverluste im Bereich der Gemälde und Skulpturen soll dieses neue Projekt der proaktiven Erforschung der Erwerbungszusammenhänge im Bereich der Grafik dienen.
Im Rahmen des Forschungsprojekts soll die Herkunft der vor 1945 entstandenen Druckgrafiken der städtischen Sammlung systematisch untersucht und dabei möglichst lückenlos geklärt werden. Nach ersten Recherchen kann die ursprünglich mit 876 bezifferte Zahl der zu prüfenden Druckgrafiken und einzelner als solche inventarisierter Papierarbeiten anderer Techniken auf einen priorisierten Untersuchungsgegenstand von ca. 350 Werken eingegrenzt werden.
Das Forschungsprojekt zielt darauf ab, jene druckgrafischen Werke in der städtischen Sammlung des Wilhelm-Hack-Museums ausfindig zu machen, die ihren Eigentümern während des Nationalsozialismus verfolgungsbedingt entzogen wurden und die daher zu restituieren sind. Die laufenden Forschungserkenntnisse werden unter anderem auf der Website des Museums sowie im Rahmen einer Führung am Tag der Provenienzforschung der Öffentlichkeit präsentiert.
© Wilhelm-Hack-Museum
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Research report and other sources
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