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Proveana - Provenance Research Database - German Lost Art Foundation

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Project

Die Nachkriegserwerbungen des Stadtmuseums Oldenburg - Provenienzforschung zu Verdachtsfällen und ausgewählten Beständen

Projekt-ID
LA06-II2020
Permanent URL
http://www.proveana.de/en/link/pro00000081
Forschungskontext
  • Cultural goods confiscated as a result of Nazi persecution

Description

Die Sammlungsbestände des Stadtmuseums Oldenburg umfassen außergewöhnlich viele Objekte der Bildenden Kunst und gehen in ihrem Kern auf die Theodor Francksen-Stiftung zurück, die 1914 in städtischen Besitz gekommen war. Zustiftungen, Ankäufe und Schenkungen erweiterten seitdem die Sammlungen erheblich.

Im Anschluss an ein erstes langfristiges Forschungsprojekt zu den Vorkriegs-Erwerbungen zwischen 1933 und 1945, das im Jahr 2020 abgeschlossen werden konnte, wurden von August 2021 bis November 2024 in einem zweiten langfristigen Projekt der Provenienzforschung konsequent die rege getätigten Erwerbungen der Nachkriegszeit ab 1946 überprüft.

Das Stadtmuseum Oldenburg hatte in den Jahren der NS-Zeit nur begrenzte Möglichkeiten gehabt, seine Sammlungen durch Ankäufe zu erweitern. Nach dem Kriegsende 1945 begann die Museumsleitung, die langen Einschränkungen mit zunehmender Ankauftätigkeit zu kompensieren. Bis in die 1960er Jahre stieg die Zahl der Neuzugänge deutlich an, vor allem in Bereich der Bildenden Kunst, darunter Werke des 16. bis 18. Jahrhunderts sowie der Klassischen Moderne. Diesen Sammlungsschwerpunkten galt die besondere Aufmerksamkeit des Projekts. Die Provenienzforschung konzentrierte sich dabei auf konkrete Verdachtsfälle und weitere, auf verschiedene Weise auffällige Zugänge überwiegend aus den späten 1940er Jahren bis in die 1960er Jahre und vereinzelt auch aus jüngerer Zeit. Auf dem Prüfstand der Provenienzforschung standen insgesamt 151 Objekte.

Verdachtsfälle
Ein besonderer Schwerpunkt der Ermittlungen lag auf dem expressionistischen Ölgemälde "Die Welle" von Franz Radziwill, das 1980 durch Ankauf aus Privatbesitz in den Sammlungs-bestand des Stadtmuseums Oldenburg kam. Der Erstbesitzer des Gemäldes war 1922 der jüdische Oldenburger Arzt Dr. Georg Rosenthal. 1937 musste er unter dem Druck der antisemitischen Maßnahmen und der Verfolgung durch das NS-Regime seine Oldenburger Praxis aufgeben. Gemeinsam mit seiner Ehefrau Else Rosenthal gelang ihm die Flucht ins US-amerikanische Exil. Umfangreiche Recherchen haben belastende Indizien zusammengetragen, die einen NS-verfolgungsbedingten Entziehungvorgang für dieses Gemälde zumindest vermuten lassen. Die Provenienz des Bildes konnte jedoch trotz intensiver Forschung bisher nur lückenhaft geklärt werden. Das Gemälde ist aufgrund seiner bedenklichen Herkunftsgeschichte in der Lost Art-Datenbank veröffentlicht.

Weitere Informationen zur Provenienz des Gemäldes "Die Welle": https://stadtmuseum-oldenburg.de/provenienzforschung/die-welle-ein-oelgemaelde-von-franz-radziwill/


Zu den besonderen Verdachtsfällen, die im Rahmen des Projekts überprüft wurden, zählen auch die Ankäufe der Jahre 1947 und 1948 bei dem Oldenburger Buch- und Kunsthändler Wilhelm Oncken, der in den Kriegsjahren von 1942 bis 1944 am Kunsthandel in den besetzen Niederlanden beteiligt gewesen war und auf diese Weise sein Warenlager gefüllt und seine Umsätze ganz erheblich gesteigert hatte. Von diesen insgesamt 29 Arbeiten auf Papier konnte ein Konvolut von 20 Blättern als entlastet eingestuft werden. Die Provenienzen der übrigen neun Druckgrafiken verschiedener Künstler des 17. bis 20. Jahrhunderts konnte anhand der gegenwärtig zugänglichen Quellen lediglich lückenhaft ermittelt werden und wurden daher als zumindest bedenklich eingestuft. Ein Blatt ist bisher nicht im Museumsbestand identifiziert. Die anderen acht druckgrafischen Werke sind in der Lost Art-Datenbank veröffentlicht.


Ergebnisse in Zahlen
Die Provenienzen von insgesamt 34 Objekten konnten mit Abschluss des Projekts als rekonstruierbar und unbedenklich oder mit hoher Wahrscheinlichkeit rekonstruierbar und unbedenklich eingestuft werden. Für diese Objekte kann ein NS-verfolgungsbedingter Entzug ganz oder weitestgehend ausgeschlossen werden.

Für weitere 85 Sammlungsstücke haben die systematischen Recherchen zwar keine konkreten Hinweise auf einen NS-Entziehungskontext ergeben. Dennoch konnten die Provenienzen im Zeitraum 1933 bis 1945 nach aktueller Quellenlage nicht lückenlos geklärt werden. Die jeweilige Herkunft dieser Objekte kann daher nicht als zweifelsfrei unbedenklich gelten. Dazu zählen auch 24 Objekte, die bisher im Museumsbestand nicht identifiziert werden konnten.

Die Provenienzen von insgesamt 32 Objekten wurden mit Abschluss intensiver Recherchen als zumindest bedenklich eingestuft, da sie für den Zeitraum 1933 bis 1945 lückenhaft sind und es zugleich Anhaltspunkte für einen möglichen NS-verfolgungsbedingten Entzug gibt. Dazu zählen auch 22 Objekte, die bisher im Museumsbestand nicht identifiziert werden konnten. Im Ergebnis des Projekts wurden daher zehn Objekte aus den Sammlungen des Stadtmuseums Oldenburg aufgrund ihrer jeweils bedenklichen Herkunft in der Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste veröffentlicht.


Restitution an die Erben von Henny und Siegfried Insel
Darüber hinaus wurden im Verlauf des Projekts mehrere Sammlungsstücke aus dem ehemaligen Besitz des jüdischen Oldenburger Ehepaares Henny und Siegfried Insel an deren Erben restituiert. Die Eheleute waren 1939 vor der Verfolgung in die Niederlande geflohen. Das Paar und auch ihre beiden Kinder Grete und Hermann Insel überlebten den Holocaust nicht. Eine Zinnkanne mit persönlicher Widmung und ein Ensemble Silberhochzeitsschmuck mussten die Eheleute schon 1936 bei ihrem notgedrungenen Wegzug aus Oldenburg zurücklassen. Später kamen die Objekte als Schenkung von privat 1997 in die Sammlungen das Stadtmuseums Oldenburg. Am 24. September 2024 erhielten die Erben der Familie Insel, die eigens mit ihren Angehörigen aus Israel und den USA angereist waren, die Zinnkanne und den Silberhochzeitsschmuck in einer bewegenden Zeremonie im Alten Rathaus offiziell zurück. Weitere Informationen zur Restitution an die Erben von Henny und Siegfried Insel: https://stadtmuseum-oldenburg.de/provenienzforschung/zurueckgegebene-objekte-aus-dem-eigentum-von-henny-und-siegfried-insel/


Stadtausstellung. Eine Ausstellung in der Stadt statt im Museum
Über die Dauer der Schließzeit bis zur Eröffnung des neuen Stadtmuseums 2026 geht das Haus mit dem Format "Stadtausstellung" in den öffentlichen Raum. Eine Ausstellungsstation entstand 2023 am ehemaligen Wohnort der jüdischen Familie von Henny und Siegfried Insel in der Oldenburger Altstadt inmitten der Fußgängerzone. Die digitale Präsentation der "Stadtausstellungen" ist weiterhin im Internet zu sehen: https://stadtmuseum-oldenburg.de/stadtausstellung/familie-insel/


© Stadtmuseums Oldenburg

Basic information

Projektkategorie
Systematic investigation of collection holdings
Beschreibung Bestand
Collection
Funding recipient
Stadtmuseum Oldenburg
(Museum)
Ansprechpartner
Dr. Steffen Wiegmann
Head of Oldenburg City Museum
stadtmuseum@stadt-oldenburg.de
Bundesland
Niedersachsen
Projektlaufzeit
16.08.2021 - 30.11.2024
Projektwebsite
https://stadtmuseum-oldenburg.de/provenienzforschung/provenienzforschung-am-sta…
Ortsbezug
Place
Lower Saxony
Getty
,
GeoNames
Location
Germany, Oldenburg
Getty
,
GeoNames

Research report and other sources

A final report for this project has been submitted to the German Lost Art Foundation. It is not yet accessible, as the project is currently undergoing internal evaluation. Once approval has been granted, the final report will be published here.
In order to view final reports, extended access is required, which you may apply for. A legitimate interest is required for this purpose. See the detailed guidance for further information on the application procedure.
If you have questions regarding the content of the research project results, you may also contact the funded institution directly.
For all other enquiries, please get in touch with us at:  proveana@kulturgutverluste.de.

Schlagworte

  • Museum

Links

  • Website Institution
    https://stadtmuseum-oldenburg.de/provenienzforschung/zurueckgegebene-objekte-au…
    Informationen zur Provenienz des Gemäldes “Die Welle”
  • Website Institution
    https://stadtmuseum-oldenburg.de/provenienzforschung/zurueckgegebene-objekte-au…
    Informationen zur Restitution an die Erben von Henny und Siegfried Insel
  • Website Institution
    https://stadtmuseum-oldenburg.de/stadtausstellung/familie-insel/
    Präsentation der „Stadtausstellungen“ Familie Insel
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