Provenienz und Geschichte der Sammlung indonesischer Schädel der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha
Beschreibung
Die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha ist eine kulturelle Einrichtung von nationaler Bedeutung, die im Verbund mit weiteren Einrichtungen in Gotha ein einzigartiges Bau-, Garten- und Sammlungsensemble der europäischen Residenzkultur bildet. Die barocke Kunstkammer war Keimzelle der einzigartigen Sammlungen aus Kunst, Natur und Kulturgeschichte. Zu den Beständen zählen unter anderem Antiken, Münzen, Kunsthandwerk, Malerei, ein Kupferstichkabinett und aussereuropäische Sammlungen. Mit dem Perthesforum steht ein zentrales Depotgebäude der Stiftung für die Aufbewahrung der vielfältigen Sammlungsbestände zur Verfügung. Im Eigentum der Stiftung befinden sich über 1 Million Objekte, verteilt auf über 80 historisch gewachsene Bestandsgruppen.
Gegenstand des Projekts war eine Sammlung von ursprünglich ca. 40 Schädeln, die in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts durch verschiedene Einlieferer aus Niederländisch-Ostindien (heute Indonesien) in die herzoglichen Sammlungen in Gotha gelangt sind. 33 dieser Schädel sind aktuell vorhanden. Ziel war die Erforschung der Provenienz und Geschichte des Bestands, in Zusammenarbeit mit Partnern aus Herkunftsgebieten. Geographischer Schwerpunkt ist Süd- und Mittelkalimantan (Borneo), woher ein wesentlicher Teil der Sammlung stammt. Ziel war die möglichst vollständige Rekonstruktion der Provenienz aller Schädel der Sammlung durch mikrohistorische Forschung mit akteurszentriertem Fokus, die systematische digitale Erfassung der menschlichen Überreste, Identifizierung der beteiligten Akteure und ihrer historischen Verflechtungen.
Die Forschung mündete in differenzierte Empfehlungen, die der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha wie auch verschiedenen Akteuren der Herkunftsgesellschaften informierte Entscheide über den weiteren Umgang mit den einzelnen Schädeln der Sammlung ermöglichen sollten. Die Informationen wurden in standardisierten digitalen Formaten in deutscher, englischer und indonesischer Sprache zugänglich gemacht. Anhand der menschlichen Überreste mit ihren für verschiedene Akteure, Epochen und Kontexte unterschiedlichen Bedeutungen und Funktionen wurden exemplarisch Erkenntnisse zur internationalen und interkulturellen Zusammenarbeit angestrebt und ein Stück gemeinsame Kolonialgeschichte zwischen den spezifischen lokalen Kontexten “Gotha”, “Banjarmasin” und “Batavia” aufgearbeitet. Sowohl die fachinterne als auch eine interessierte, breite Öffentlichkeit sollten für das Thema sensibilisiert werden.
Alle 33 bisher aufgefundenen Schädel wurden osteoanthropologisch auf Parameter wie Sterbealter, Geschlecht, mögliche Herkunft, Traumata und Krankheiten hin untersucht. Die historische Forschung konzentrierte sich wie geplant auf die Schädel mit Herkunft aus Kalimantan (Borneo). Die Geschichten von sechs Schädeln wurden detailliert rekonstruiert, und über die Herkunft der übrigen konnten allgemeine Erkenntnisse gewonnen werden. Die Biografien von sieben Einlieferern und ihre Netzwerke wurden ausführlich erforscht, oft in engem Austausch mit Personen und Institutionen in Europa, die sich mit ähnlich gelagerten Fällen befassen. Die Zusammenarbeit mit indonesischen Partnern hat sich dagegen bedingt durch die Corona-Pandemie nicht im erwarteten Mass entwickelt. Verschiedenartige Transparenzmassnahmen begleiteten das Projekt.
© Stiftung Schloss Friedenstein Gotha.
Grunddaten
Forschungsbericht und Materialien
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Inhaltliche Bezüge
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